Reicht es, wenn ich gut genug erkläre, wie hilfreich Hormon-Yoga ist? Reicht es, wenn die Argumente stimmen? Ich dachte lange: ja. Klar doch.
Fünf Jahre unterrichte ich jetzt Hormon-Yoga live über Zoom, und am Anfang war meine Logik simpel: Frauen in den Wechseljahren leiden unter Hitzewallungen, schlafen schlecht, ihre Stimmung schwankt. Hormon-Yoga hilft. Also werden sie kommen, sobald sie das wissen. Ein paar Mal 30 Minuten pro Woche investieren – das lohnt sich doch offensichtlich, oder?
Dann habe ich kostenlose Klassen angeboten.
Über 20 Frauen haben sich angemeldet. Am Ende der Woche: 1, vielleicht 2, sassen tatsächlich vor dem Bildschirm. Ich habe nachgerechnet, nochmal nachgerechnet, nein, das stimmte schon. 18 Frauen, weg. Nicht abgemeldet, einfach… nicht erschienen.
Also gut, dachte ich, kostenlos heisst wohl unverbindlich. Nehmen wir eben ein bisschen Geld, 8 Euro für die Probeklasse, dann verpflichten sich die Frauen auch ein wenig. Hat auch nicht wirklich geholfen. Meistens meldet sich die Person an – und erscheint dann doch nicht.
Mein Fehler war also nicht die Preisgestaltung. Mein Fehler sass tiefer: Ich dachte, gute Argumente reichen. Sie tun es nicht.
Was wirklich dahintersteckt
Was ich erst spät verstanden habe: Die meisten Frauen, die sich anmelden und dann nicht kommen, denken nicht „das ist mir zu teuer“ oder „das interessiert mich nicht mehr“. Sie denken: Das ist zu schwierig. Das schaff ich nicht. Und dazu kommt die zweite Wahrheit, die ich mir selbst nicht eingestehen wollte: Sie nehmen sich die Zeit nicht. Weil im Alltag etwas anderes immer dringender scheint.
Zwei Baustellen also, nicht eine. Eine über den Körper, eine über den Kalender.
Was ich seither anders mache
Die Live-Klassen finden jetzt morgens um 7.35 Uhr statt, vor der Arbeit. Warum ausgerechnet diese Uhrzeit? Weil sie für viele noch klappt, bevor der Tag einen einsaugt mit allem, was drängender scheint als man selbst. Und weil wir live über Zoom üben, fällt der Weg zum Studio weg, hin und zurück. Es braucht wirklich nur die Zeit für die Praxis selbst, plus ein paar Minuten zum Umziehen davor und danach. 40 Minuten, inklusive Umziehen. Die finde ich allemal, sagen sich meine Frauen dann irgendwann auch. Keine Ausrede mehr „ach, heute lieber nicht, ich hab keine Zeit“.
Und für den Einstieg gibt’s jetzt eine kostenlose Privatstunde – die Hürde soll so tief wie möglich sein, bevor überhaupt eine Entscheidung fallen muss.
Aber das Wichtigste, das ich verändert habe: Ich spreche die Angst jetzt direkt an. Nicht mehr nur Benefits aufzählen und hoffen, dass es reicht.
Kissen statt Kopfstand
Liebe Leserin, falls du gerade denkst: klingt schön und gut, aber ich bin nicht fit genug, ich bin übergewichtig, vielleicht sogar stark übergewichtig, das ist nichts für mich – dann sage ich dir das, was ich all den anderen Frauen auch sage: Wir nutzen Kissen. Um Haltungen abzudämpfen, machbar zu machen. Kein Kopfstand nötig, kein Verrenken.
Ja, dein Bauch wird dich manchmal stören. Du musst dich um ihn herum quetschen, manchmal auch in ihn hinein. Vielleicht kommst du sogar ins Schwitzen. Solange du bereit bist, das 1 bis 3 Mal die Woche zu akzeptieren, kannst du mitmachen. Mit der Zeit – und das ist keine leere Versprechung, das erlebe ich bei fast jeder – freut sich dein Körper auf die Klassen. Er kommt in die Dehnung. Die Wirbelsäule richtet sich auf. Die Schultern lockern sich. Du lernst ihn neu kennen: deine Gelenke, deine Hüfte, deinen Rücken. Auch deine Vagina wirst du bewusst spüren, vielleicht zum ersten Mal seit Jahren.
Und ja, da steckt Physiologie dahinter, nicht nur gute Stimmung: Durch Umkehrhaltungen kommt Blut in den Kopf, die Hypophyse wird aktiviert – die Königin der Hormonproduktion, sozusagen – und damit die Produktion von Östrogen. Sanfte Drehungen des Oberkörpers durchbluten die Wirbelsäule stärker, der Kreislauf gleicht sich aus. Bewusste Bauchatmung motiviert die Eierstöcke zur Östrogen-Produktion. Dehnung und die Ujjayi-Atmung aktivieren die Schilddrüse. Gegen Ende kommt die Entspannung, das Nervensystem beruhigt sich. Keine Akrobatik nötig. Alles geschieht sanft, in Bewegung, Dehnung, Atem.
Warum live, warum Gruppe
Wir sind eine überschaubare Gruppe, das erlaubt uns, die Übungen anzupassen: für bewegliche Schultern, einen stärkeren Rücken, oder schonend für die Knie. Dabei behalten wir immer die Hormone im Blick, lenken Aufmerksamkeit und Atem zu den Eierstöcken, zur Schilddrüse, zur Hypophyse. Dinah Rodrigues hat dafür eine klassische Reihe von rund 12 Übungen entwickelt – schön daran: Irgendwann kannst du sie auswendig, könntest allein üben.
Könntest. Ich selbst habe die Motivation dafür nie gefunden. Auch nicht mit YouTube, mit all den Videos, die ich mir vorgenommen hatte und dann doch nicht angeschaut habe. Deshalb gibt’s diese Live-Klassen überhaupt. Weil verschiedene Yogalehrerinnen anleiten, kommt immer wieder eine neue Übung dazu, ein frischer Wind. Und trotz Bildschirm dazwischen: Die zwischenmenschliche Beziehung ist da. Wir plaudern am Ende oft noch ein paar Minuten, bevor jede in ihren Tag verschwindet.
Wie geht’s weiter?
Mein grösster Fehler war zu glauben, Wissen allein bewegt Menschen. Es bewegt sie nicht. Was sie bewegt, ist eine tiefere Sache: sich erlaubt zu fühlen, mit dem Körper anzufangen, den man gerade hat – nicht mit dem, den man sich wünscht. Und ein Termin, der wirklich im Kalender Platz hat, nicht nur in der Absicht.
Falls du gerade selbst denkst „das schaff ich nicht“ – ich würde mich freuen, dich mal bei einer kostenlosen Privatstunde zu begrüssen. Kissen inklusive.
Mehr zum Programm findest du hier: Hormon-Yoga-Programm für Frauen in den Wechseljahren
